24. Mai 2007: MedienMittwoch: "Ist das Internet eine Markting-Seuche?"

Zu der Frage, wie sich Marketing in Folge der Zunahme digitaler Konvergenz verändert, diskutierten jetzt namhafte Experten im Rahmen des MedienMittwochs.

v.l.n.r.: Tobias Kirchhofer, BlueMars, Frank Ruckert, IP Deutschland, Laurent Burdin, SinnerSchrader, Volker Schütz, Horizont, Hansjörg Zimmermann, Das Goldene Vlies, Frank Vahldiek, Vodafone

Der MedienMittwoch fand im Rahmen der Fachmesse marketingservices in Halle 8 der Messe Frankfurt statt. Auf dem Podium debattierten diesmal folgende Experten: Hans-Jörg Zimmermann, Creative Director der Agentur Das goldene Vlies; Florian Rückert, Geschäftsleiter Marketing beim TV-Vermarkter IP-Deutschland; Laurent Burdin, Geschäftsführer Beratung der Hamburger Agentur SinnerSchrader sowie Frank Vahldiek, Head of Customer Marketing live! & access bei Vodavone. Moderiert wurde die Veranstaltung von Volker Schütz, Chefredakteur der Horizont.

Die Einschätzungen darüber, wie sich die zunehmende digitale Konvergenz auf die Marketingindustrie und unser soziales Leben auswirken, gehen weit auseinander. So heißt es auf dem Portal für den deutschen Telekommunikationsmarkt portel.de, digitale Konvergenz sei ein "Motor für weltweite Veränderungen". Während Stefan Kornelius, Außenpolitik-Chef der "Süddeutschen Zeitung" und einer der Gründer des "Medium Magazin" für Journalisten, Anfang des Jahres in der SZ in einem vielfach diskutierten Artikel und sicher auch in einem gänzlich anderen Kontext, über die Verbreitung der Bilder der Hinrichtung von Sadam Hussein im Internet schrieb. Er sprach dabei von der "Seuche Internet". Diese Aussage schreckte die Branche auf und führte zu vielfachen Diskussionen. Wo führen die Entwicklungen hin und wie verhält es sich eigentlich mit dem Marketing? Hat sich das Internet sogar zu einer - zugegeben provozierend ausgedrückt - Marketing-Seuche entwickelt?

Zu dieser Fragestellung diskutierten die Experten und waren sich darin einig, dass Marketingstrategien vom "Feldherrenhügel" (Volker Schütz) heute nicht mehr funktionieren. Vielmehr sei es durch die Realitäten des Web 2.0 zu einer Demokratisierung der Marken gekommen. Für Florian Rückert beispielsweise ist klar, dass Konsumenten bereits die Kontrolle übernommen haben. Hier bieten Blogs, Second Life und Plattformen wie YouTube kreative Möglichkeiten, Markenimages zu beeinflussen. Diese sind aber schwer zu kontrollieren, umso mehr sei es für Marken notwendig, stabilisierende Aktivitäten zu entfalten. Klassische Reichweitenkampagnen bieten sich dafür weiterhin an.

Hans-Jörg Zimmermann ist überzeugt davon, dass sich die kreativen Prozesse prinzipiell nicht verändert haben. Sie seien einzig komplexer geworden. Und wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Agenturen-Landschaft aus? In diesem Zusammenhang sprach sich Laurent Burdin dafür aus, dass sich Online-Agenturen endlich klassisches Werbe-Know-how aneignen sollten und nicht mehr, wie es bislang überwiegend der Fall war, umgekehrt. Es gehe eben nicht um technische Lösungen, sondern um Marketing-Ideen, fasste Volker Schütz diesen Aspekt zusammen. Ebenso überzeugt von den Möglichkeiten zeigt sich Frank Vahldiek, verantwortlich für Mobile Marketing bei Vodafone. Das Potential der mobilen Konsumentenkommunikation liege in der Möglichkeit permanent mit den Konsumenten in Kontakt zu bleiben, das Mobiltelefon kann der "Kitt" zwischen Marke und Konsument sein.

Der MedienMittwoch war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Veranstaltung wurde von Tobias Kirchhofer, Managing Director BlueMars und Mitglied im Vorstand des BVDW konzipiert und auf den Weg gebracht. "Das Digitale Momentum hat auch in dem Themenkanon der Konvergenzeffekte einmal mehr gezeigt, wie komplex und schwer zu fassen die Auswirkungen sind. Mit einfachen Formeln kann nicht mehr argumentiert werden, vielmehr ist eine differenzierte und intensive Auseinandersetzung aller Beteiligten mit dem Marktgeschehen erforderlich.", sagt Tobias Kirchhofer. "Sicher werden wir dieses Thema weiter debattieren."

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