Trendcheck Web 2.0: Das Ende der Reichweite?
Auf YouTube.com werden Laien Medienmacher und stellen ihre selbst produzierten Videos online, über die Plattform Flickr.com werden Fotos in Umlauf gebracht, über Plazes.com teilen Internetnutzer ihren Standort mit und präsentieren sich im Netz. Neue Technologien wie AJAX (Asynchronous Java-Script and XML), Ruby on Rails und Mash Ups ermöglichten diesen Trend. Als Folge davon hat sich das World Wide Web verändert. Inhalte werden nicht mehr nur konsumiert, sondern selbst erstellt und das mit wachsender Begeisterung und mit großem Erfolg. So berichtet der Shopblogger Björn Harste täglich über den Alltag im Supermarkt und erzielt damit so viel Aufmerksamkeit, dass inzwischen die Fernsehsender über ihn berichten.
Die einen sagen, diese Entwicklung vom E-Business zum We-Business erfordere andere Werbestrategien und bei einer derartigen Tendenz zur Individualisierung stelle sich dringend die Frage, wie Marketing-Leute den Kontakt zu ihrer Zielgruppe überhaupt behalten können und wie herkömmliche Werbung insbesondere in den jungen Zielgruppen funktionieren soll. Und wie nehmen sie Einfluss, wenn Emfehlungssysteme und Communities für Kaufentscheidungen wichtiger werden als es Werbung derzeit ist? Skeptiker hingegen sehen z. B. für Google nach dem Milliarden-YouTube-Deal bereits eine "existentielle Not" des Internet-Riesen am Horizont und zwar dann, wenn Werbung auf dem Portal zugelassen würde und das Unternehmen mit Klagen wegen "millionenfacher Verletzung von TV-Urheberrechten" konfrontiert sei*. Ist der Web 2.0-Hype also vielleicht schneller vorbei als wir denken und sind herkömmliche Werbestrategien am Ende doch die erfolgreicheren?
Auch unser Voting im letzten Newsletter stellte die Frage nach der Zukunft von Web 2.0 und auch hier gingen die Einschätzungen weit auseinander.
Eine abschließende Antwort können wir sicher an dieser Stelle auch nicht geben. Allerdings Leben und Arbeiten wir begeistert in der digitalen Welt und sind davon überzeugt, dass die Möglichkeiten des Web 2.0 kurz- und mittelfristig immer bedeutsamer werden und die Werbestrategien darauf eingehen.
*Die Zeit, Nr. 42, S. 32